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tiefgehendes
Der Untote von St.Elisabethen

Nicht jeder der im Sarg den Weg ans Grab machte, hatte diese Welt auch schon endgültig verlassen. Ein Beispiel war der Fassbinder und Küferknecht Hannemann Röteler. Dieser hatte 1374 den Petermann Agstein, einen Ratsherrn der Zunft zu Hausgenossen bestohlen. Die harten Sitten der Zeit brachten den Fassbinder für diese Tat an den Galgen.

Die Küfer und Zimmerleute der Zunft zu Spinnwettern erbaten vom Rat das Privileg, ihren Zunftgenossen nach vollstreckter Hinrichtung anständig zu Grabe tragen zu dürfen. Dies war keine Selbstverständlichkeit, denn meist blieben gehängte Sünder so lange am Galgen hängen, bis die Raben sie gefressen hatten, und die traurigen Reste runterfielen.

So wurde denn Hannemann Röteler auf dem Gellert am Halse aufgehängt, und der Henker lies sich dem Brauch gemäss vom zusammengelaufenen Volke sein rechtmässiges Richten bestätigen. Hernach holte die Spinnwetternzunft den Gerichteten vom Strick, und legte ihn in den Sarg, um ihn zum Kirchhof der armen Sünder nach St.Elisabethen zu tragen.

Als man den Sarg in die Grube hinablassen wollte, war ein Rumpeln in ihm zu spüren. Man öffnete den Deckel, und fand den vermeintlich Toten am leben - mehr schlecht als recht, doch mitnichten verblichen. Sogleich brachte man ihn ins nahegelegene Steinenkloster, wo ihm gute Pflege zukam. Nach dem Brauch jener Tage war er nun ein freier Mann.

Man knüpfte keinen Verurteilen zweimal an den Galgen, so musste er schwören, keine Rache an irgend welchen Beteiligen zu nehmen, und für immer die Stadt Basel verlassen. Indes erstach der erboste bestohlene Hannemann Röteler den unglücklichen Henker an seinem eigenen Stubentisch, so dass dieser in das offene Grab zu St.Elisabethen kam.


detail eines grabmals

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