Blick ins Früher

In der Vergangenheit wurde Basel oft abgebildet, womit Darstellungen entstanden die den Kontrast zur heutigen Zeit dokumentieren. Meine Stadtrundgänge führen oft an Orte, die einst ganz anders aussahen.
Seien es nun Fotographien, Stiche oder Drucke - den städtebaulichen Wandel unterstreichen sie alle eindrücklich. Auf ihnen treten uns Bauwerke und Plätze entgegen, die so längst nicht mehr existieren.
Hier soll eine wachsende Galerie entstehen, die zeigt was einst dort war wo wir heute vorübergehen davon zu ahnen. Ein Bilder mit etwas Nostalgie; aber ohne Groll. Der stete Wandel ist schliesslich die einzige Konstante:



Spalentor I

Stahlstich Johann Gabriel Friedrich Poppel (1897-1882) nach Ludwig Rohbock (1824-1893) / Ansicht um 1860



Das spätmittelalterliche Spalentor (1387 erstmals erwähnt) der äusseren Stadtmauer Grossbasels. Zur Zeit Rohbocks verloren Mauern und Tore langsam ihre frühere Bedeutung. Die Stadtmauerpartie hier wurde 1866/67 abgerissen.
Links erkennt man die von Christoph Riggenbach (1810-1863) entworfene Friedhofskapelle (1943 abgerissen) des Spalengottesackers. Dieser wurde durch den Kannenfeldgottesacker ersetzt und 1868 geschlossen (heute Botanischer Garten).
Die Szene vor dem Stadttor zeigt ein Fuhrwerk vom Land und dahinter ein Sundgauer Paar das Ware nach Basel trägt, vielleicht auf den Markt. Ausflügler zu Fuss, zu Pferd und in der Kutsche beleben die Landstrassen vor der Stadt.

Spalentor II

Kolorierte Fotographie / Postkarte von 1912



Als Ergänzung zum Stahlstich von 1860 oben folgt hier eine Ansicht auf einer Postkarte, festgehalten ein halbes Jahrhundert später. Der Blick geht aus der heutigen Missionsstrasse zum Spalentor, das einsam den Wandel überdauerte.
Im Bild ist noch die 1919 aufgehobene Haltestelle "Socinstrasse" der Tramlinie 3 zu sehen. Links hinten ragt der Giebel der schon 1860 vorhandenen Friedhofskapelle auf. Der zugehörige Spalengottesacker ist längst verschwunden.
Das ehemals offene Land vor dem Spalentor ist nunmehr überbaut und zu einem Quartier mit Anschluss an die Strassenbahn geworden. Ein Bild welches das rasante Wachstum der Stadt im 19. Jahrhundert deutlich dokumentiert.



Elisabethenschanze & Spitalscheune

Lichtdruck nach Johann Jakob Schneider (1822-1889) / Ansicht um 1848



Blick vom Standort des heutigen Strassburger-Denkmals auf die frühere Elisabethenschanze der Stadtmauer (links). Von ihr erkennt man einen Wehrturm, der wohl im Mittelalter als Tor bei der Spitalschüren diente, bevor es zugemauert wurde.
Das grosse Haus hinter der Baumreihe ist die Spitalschüren, ein Hof an der heutigen Wallstrasse. Er gehörte dem mittelalterlichen Spital an der Freien Strasse. Vor ihm verläuft die Vorstadt "zu Spittelschüren" (heute Elisabethenstrasse).
Vor der Spitalschüren sieht man den Eingang zum 1817 angelegten Gottesacker der Münstergemeinde. Nach seiner Schliessung 1872 entstand dort die heutige Elisabethenanlage (auch De Wette-Park). Grabreihen und Leichenhaus sind erkennbar.
Zwischen den Dächern im Hintergrund ragt mit Turm und Dachreiter die heute noch erhaltene Leonhardskirche hinter dem damaligen Gefängnis Lohnhof. Davor erkennt man Baumgruppen entlang des offen fliessenden Birsig im seinem Tal.



St.Alban-Kirche & Mühlenberg

Stahlstich Julius v. Umbach (1815-1877) nach Richard Höfle (*1812) / Ansicht um 1860



Das Kloster St.Alban wurde 1083 vom Basler Bischof Burkhard von Fenis gegründet und zur Reformation aufgehoben. Die Kirche wurde bei einer Sanierung 1844/45 teilweise abgerissen (ein Seitenschiff verschwand, das Langhaus wurde gekürzt).
Hinten neben den Kirchturm ist ein Wehrturm der St.Alban-Schanze aus den 1620er Jahren zu sehen (ab 1864 abgetragen). Ganz links steht ein barockes Scharwachtürmchen der Stadtmauer. 1855/63 kam der schrittweise Abriss der Mauerpartie.
Die Szene am Mühlenberg zeigt das umtriebige St.Albantal. Links geht ein Fischer mit Netz zum Rhein hinab. Ein Fuhrmann mit Gespann transportert Holz vom Sägewerk im Schindelhof und ein Mann mit Schubkarre einen Korb mit Werkzeug.
Eine Frau mit Knaben kommt vom Rhein hinauf. Eine Matrone in Tracht mit einem Mädchen spricht zu zwei Männern. Eine elegante Dame aus der St.Alban-Vorstadt, flaniert mit Begleiter zum Portal des (bis 1872 genutzten) Friedhofs.



Oberer Rheinweg

Kolorierte Fotographie / Postkarte von 1912



Abendmoment am Oberen Rheinweg in Kleinbasel mit Blick über den Rhein auf Grossbasel und den Münsterhügel. Unter der Pfalz beim Chor des Münsters ist direkt am Rheinufer das im Jahr 1831 angelegte Männerbad zu sehen.
Ein wenig stromaufwärts, im Hintergrund unter der Baumkrone links, liegt das Frauenbad von 1847. Beide Badhäuser wurden nach einem Hochwasser 1876/77 neu erstellt und verschwanden in den 1960er Jahren, zur Zeit der Gartenbäder.



St.Jakobs-Denkmal & Sommercasino

Stahlstich Julius v. Umbach (1815-1877) nach Ludwig Rohbock (1824-1893) / Ansicht um 1860



Johann Georg Von der Mühll (1789-1853) entwarf das 1822/24 erbaute Sommercasino als Gesellschaftshaus für vornehmen Kreise, welche die Sommer auf ihren Landsitzen verbrachten. Das Sommercasino war das Gegenstück zum Stadtcasino.
Das St.Jakobsdenkmal von Marquard Wocher (1760-1830) erinnerte an die Schlacht bei St.Jakob an der Birs 1444. Der 12 Meter hohe Pfeiler aus Sandstein wurde 1872 durch das heutige Denkmal von Ferdinand Schlöth (1818-1891) ersetzt.
Die Szene vor Denkmal und Casino zeigt ein einfaches Paar, das mit seinen Lasten zu Fuss auf dem Weg nach St.Jakob ist. Ein besser gestelltes Paar ist mit seinem beladenen Einspänner auf der Strasse zum Dorf Münchenstein unterwegs.



St.Jakob

Stich Johann Jakob Falkeisen (1804-1883) nach Anton Winterlin (1805-1894) / Ansicht 1842



Das alte St.Jakob an der Birs, fast 400 Jahre nach der Schlacht von 1444 (heute Umfeld Stadion St.Jakob-Park). Links, entlang der Strasse, die noch heute existierenden Siechenhäuser (früher Anstalt für Aussätzige = "Siechen").
Hinter den Siechenhäusern steht die Kirche des Heiligen Jakob (wohl schon um 1100 eine Kapelle). Bei der Schlacht 1444 schwer beschädigt und wieder aufgebaut, wurde sie 1894/95 neu errichtet. Sie sieht heute anders aus als 1842.
Gegenüber der Kirche liegt mit Gartenwirtschaft das Wirtshaus St.Jakob (1891 neu gebaut). Dahinter fliessen der St.Alban-Teich (nicht zu sehen) und die Birs. Im Hintergrund erhebt sich der Wartenberg mit mittlerer Burgruine.





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