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Fototagebuch Jeder Stadtrundgang bringt auch für mich kleine Impressionen & Gedanken. Meine Stadtführungen sind ein Füllhorn solch reizvoller Momente, die ich schon immer gerne teilen wollte. Hier ist nun ein Tagebuch mit Eindrücken, die rund um meine Führungen in Basel entstehen. Spontan eingefangene Augenblicke mit einigen Zeilen, die ich auf diesem Weg weitergebe. 31.08.2026 Barfi ![]() Heute kam ich von der Theaterpassage her an der Kirche vorbei auf den Barfüsserplatz. Da noch immer keine Trams durch die Innenstadt fahren, führt der ÖV-(Um-)Weg eben über die Haltestelle Theater. Der Anblick war prächtig. Vor mir der Barfüsserplatz mit seiner historischen Häuserreihe zu Füssen des Lohnhofs und der Leohardskirche. Darüber ein wolkenloser Himmel mit blassem, kleinem Mond. Der Franziskanerorden baute hier im 13. Jahrhundert sein neues Basler Kloster. Ihrem Armutsgelübde gemäss gingen die Franziskaner barfuss; daher der Name "Barfüsserplatz" (auch kurz "Barfi"). Zeitweise hiess der Platz wegen des hiesigen Saumarktes auch "Seibi". Das ist heute Geschichte. Ebenso wie der offen durchfliessende Birsig, der längst eingetunnelt durch die Stadt zum Rhein fliesst. 29.08.2026 Botanischer Garten ![]() Seit 1898 findet man den Botanischen Garten der Universität Basel vor dem Spalentor. Ich nehme oft und gerne den Eingang vom Petersplatz um den Ort vor einer meiner Spalenführungen zu geniessen. Die Geschichte der Institution begann 1589 mit einem Gärtchen bei der alten Uni am Rheinsprung. Es war einer der global frühsten Botanischen Gärten. Der Ort war den Professoren nah aber fern aller Eignung. Nach einer Reihe anderer Plätze endete die Wanderschaft des Gartens vor 128 Jahren am heutigen Ort. Zum Herzstück wurde das 1898 erstellte Viktoriahaus für die Amazonas-Seerose "Victoria regnia". Für mich ist der Garten ein Refugium der Artenvielfalt. Man kann sich hier staunend dem Flanieren zwischen Naturwundern hingeben, oder auf einer der Sitzbänke entspannt rasten wie Goethe in Italien. >> Meine Führung im Spalenqartier 26.08.2026 Vergänglichkeit ![]() Es ist seltsam, jemanden zu besuchen den man sehr gern hatte, wissend, dass seine Grabreihe bald aufgehoben wird. Mein Onkel starb schwerkrank im katastrophalen Hitzesommer 2003. Der Tod kam als Freund. Über 45'000 Leuten brachte in Europa die Hitze den Tod. Am Tag seiner Beisetzung fiel endlich wieder Regen. Seine Schwester, meine Mutter, starb letztem Juni im Hitzesommer 2026; abends unerwartet im Heimbett. Sie ruht in einen namenlosen Wiesengrab, bei meinem Vater der letzten November ging. Bald ist auch der Name meines Onkels weg. Ich frage mich, ob der Spielzeugbagger bei der Grabräumung wieder auftaucht. Mein damals kleiner Sohn sah wie die Trauergäste Blumen ins Grab warfen. Er nahm sein Lieblingsspielzeug aus der Hosentasche und gab seinem Grossonkel den Matchboxbagger mit ins Grab. Alle waren gerührt. 23.08.2026 Geburtstag ![]() Für einmal war ich gestern nicht mit einer Führung im alten Kleinbasler Mühlenviertel unterwegs. Eine Geburstagsfeier führte mich als Gast dorthin. Bei mildem Wetter wurde es ein erfüllendes Erlebnis. Der Ort der Feier war ein kleiner Platz unter einem mächtigen Baum. Er liegt lauschig und verwinkelt hinter dem früheren Frauenkloster Klingental aus dem Hochmittelalter. Man erreicht ihn über ein Gässlein. Die Kulisse gab mir ein Gefühl der Geborgenheit. Vorbei an alten Mauern und Klosterpforten ging ich unter freundlichem Augusthimmel dem heiteren Lachen (und wohlbestückten Buffet) um die Ecke entgegen. Ein Abend mit lieben Menschen und Genuss für Leib und Seele versöhnen mit manchem Hieb des Schicksals. Das echte Leben und seine Freuden ist ein Ort mit Menschen und nicht einer vor dem Monitor. 17.08.2026 Löwe ![]() Nach meinem Rundgang ums Klingental leistete ich beim Warten aufs Tram dem Löwen an der Greifengasse etwas Gesellschaft. Er sieht deprimiert aus. Kein Wunder; er ist seit über einem Jahr verwaist. Der Bronzelöwe aus Hamburg kam 1999 nach Basel. An der Greifengasse 14 trat er eine neue Rolle an; als Hauszeichen der Löwen Apotheke und Liebling der Kinder, die auf seinen Rücken ritten bis er blank wurde. Die Apotheke wurde im Mai 1876 von Erich Borchers im Haus "zum rothen Leuen" eröffnet. Ein Jahr später bekam sie den Namen Löwen Apotheke und wurde über viele Jahrzehnte hin eine Institution in der Gasse. Der Gang der Zeiten und ein auslaufender Baurechtsvertrag machten der Familienapotheke den Garaus. Sie schloss Ende Dezember 2024 nach 148 Jahren ihre Pforten. Zurück blieb ein trister Löwe als letzter Zeuge. >> Meine Führung zum Klingental 15.08.2026 Schreiben ![]() Ich habe einen Text für die Festzeitschrift zum 800-Jahr Jubiläum der Basler Zunft zu Kürschnern fertiggestellt. Es war eine ziemliche Arbeit, auch weil ich ein grosser Kritiker meiner selbst bin. Es war ein stetes Schreiben, Umschreiben, Recherchieren und Kürzen. Dann wurde die Zeit knapp und jemand riet mir, doch KI zu Hilfe zu nehmen. Meine Augenbraue ging hoch wie jene des skeptischen Spock. Für eine KI sind die Nischen des Lokalen ein Minenfeld fern des Mainstream. Und wenn für sie etwas weder im Trainingsprogramm noch im Internet findet, kann ich auch gleich Phil das Murmeltier fragen. Aber eigentlich will ich meine Fähigkeit nicht verlernen, selbst zu recherchieren, abzuwägen, zu urteilen und zu formulieren. Kann ich es nicht eigenständig in Worte fassen, bleibt es ungeschrieben. 11.08.2026 Göttliche Begegnung ![]() Heute studierte ich im Luftgässlein neben dem Antikenmuseum Basel die Skulptur "Gott aus dem Meer". Der Name ist eine Verlegenheitslösung. Bis heute blieb unklar, ob es Poseidon oder Zeus ist. Die originale Bronzeskulptur steht im Archäologischen Nationalmuseum in Athen. Sie wurde 1926 bei Kap Artemision vor Euböa aus einem Schiffswrack geborgen und stammt aus der Zeit um 460 vor Christus. Eine Skulptur der goldenen Zeiten des klassischen Griechenland. Als die Olympischen Spiele zelebriert wurden; und die nackten aristokratischen Athleten, welche die Musse hatten, ihre Körper zu Looksmaxxen. Die lebendige Pose des Gottes ist athletisch. Er holt konzentriert zum Wurf aus. Das Wurfgeschoss fand man nie. Zeus hätte ein Blitzbündel gehalten. Sein Bruder Poseidon einen Dreizack. Der Gott bleibt mysteriös. 10.08.2026 Letziplatz ![]() Meine Route im St.Albantal hat sich in diesem Sommer zum Bestseller entwickelt. Das hat vielleicht auch mit dem herrlich kühlenden Kneipp-Brunnen zu tun, den ich neu zum Abschluss ansteuere. Meine letzten Kunden staunten über das mobile Theater auf dem Letziplatz. Als wir dort durchkamen, hatte es hohe Temperaturen, wenig Schatten und Windböen die wüstenmässig Staub aufwirbelten. Die Vorstellungen scheinen aber in den Abendstunden stattzufinden, wo es mit Schatten und Hitze etwas besser aussieht. Die Theaterwagen erinnern mich nostalgisch ein wenig an das Domizil von Peters Lustig. Unlustig ist die aktuelle Stillegung der St.Alban-Rheinfähre. Der seichte Rhein fliesst zu träge und der Wind verhindert eine flüssige Überfahrt. Mögen die Götter mehr Wasser und weniger Wind schicken. >> Meine Führung zu St.Alban 07.08.2026 Kriegsschrecken ![]() Beim Haus der Basler Grafik in Kleinbasel erinnert ein gotischer Torbogen von 1943 an das frühere Kloster Klingental an dieser Stelle. Der innere Scheitelstein zeigt ein mahnendes Relief. Es spiegelt die Bedrohungen der Kriegszeit 1939-45, in der auch auf die neutrale Schweiz Bomben fielen. Links im Relief birgt ein Luftschutzsoldat eine Frau aus den Trümmern eines zerbombten Hauses. Über ihm stösst der Dämon des Krieges diagonal vom Himmel auf Zivilisten herab, die panisch rechts an den Reliefrand fliehen, einen Bomber über ihren Köpfen. Eine traurig zeitlose Darstellung. Bis heute lassen gewissenlose Kriegsherren den Tod auf wehrlose Zivilisten niedergehen. Als schleiche uns ein Fluch nach, seit Agamemnon in den Mythen die Bevölkerung Trojas hinschlachten liess. Leider verschwindet das Relief allmählich. Moos hat den Dämonenkopf und den Bomber bedeckt und greift nun auf die Zivilisten über. Aus den Augen, aus dem Sinn; doch nicht aus der Welt. 06.08.2026 Gemächlichkeit ![]() Neuerdings schreibe ich Tagebuchbeiträge erst am Morgen nach dem Aufstehen. Der Geist arbeitet leichter nach der Nachtruhe in der Zeit wo die Sonne noch nicht so warm ist. Man passt sich an. Eben deswegen war ich gestern auch im St.Alban-Tal im Schatten der Bäume unterwegs. Ich hatte den Kunden diese Route nahegelegt. Die Tour war ein beschauliches Flanieren, der Temperatur angepasst. Mein Stil ist ein gemächlicher geworden. Ich rede gewählter und pointierter. Lange Hitzezeiten treiben einem den grossen Redefluss automatisch aus. Auch die Kundschaft hört so lieber zu. Die klimatischen Bedingungen sind ernst. Aber man lernt von den Menschen des Südens, in der Wärme die Hektik abzulegen. Wie Nietzsche sagte, macht bekanntlich stärker was einem nicht umbringt. 03.08.2026 Augustanfang ![]() Gestern, einen Tag nach der Bundesfeier zum 1. August, spazierte ich am Birsufer, wo im dürrezeitlich seichten Wasser die mässig feuchte Grenze von Baselstadt und Basel-Landschaft verläuft. Der zum Schutz der Fische abgesperrte Fluss mit seinen vertrocknen Rasensteifen an den Ufern ist ein trauriger Anblick. Doch dazu gesellen sich in diesem Jahr hoffnungsvolle Gedanken. Nach früheren Bundesfeiern hing nachts schwefeliger Rauch in der Luft. An Lüften in der Hitze war nicht zu denken. Und morgens waren Uferbereiche mit Feuerwerksmüll und Brandspuren übersät. Das diesjährige Verbot wegen Waldbrandgefahr wurde an beiden Ufern vorbildlich befolgt (ausser von einzelnen Knallköpfen) Ein erfreulicher Sieg der Vernunft, ohne Brandgeruch und Müll. Tagebuch-Archiv Hier findet man bisherige Tagebucheinträge: >> Juni - Juli 2026
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