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Fototagebuch

Jeder Stadtrundgang bringt auch für mich kleine Impressionen & Gedanken. Meine Stadtführungen sind ein Füllhorn solch reizvoller Momente, die ich schon immer gerne teilen wollte.

Hier ist nun ein Tagebuch mit Eindrücken, die rund um meine Führungen in Basel entstehen. Spontan eingefangene Augenblicke mit einigen Zeilen, die ich auf diesem Weg weitergebe.



31.07.2026 Feiert schön

zeichnung des grabmacherjoggi die schoenes feiern wuenscht

Heute habe ich zum Zeichenstift gegriffen. Ich war früher Zeichner. Daher weigert sich meine abgekaltete Künstlerseele heissblütig, KI zu bemühen wo ich mir hinlänglich selbst helfen kann.

Ich nutzte meine aufgewärmte Zeichenleidenschaft, um diesen kleinen "human made" Gruss zur Bundesfeier zu Papier zu bringen. An einer anderen Herausforderung muss ich noch arbeiten.

Morgen ist ein neuer Monat und ich muss mir bei meinem Online-Tagebuch hier was einfallen lassen. Sonst wird daraus ein Bandwurm von Bildern und Texten der endlos Ladezeit frisst.

Das Ganze muss ich nach Monaten gliedern und ein Archiv erstellen, wo alles abrufbar ist. Ich habe noch keine Ahnung wie; aber darüber zerbreche ich mir im August den Kopf, also Morgen.




30.07.2026 Abzeichen

abzeichen zum nationalfeiertag 1941

Vermutlich bin ich ein furchtbar unbegabter Patriot. Ich liebe meine Heimat; aber ich bin kein Fahnenschwenker und Abzeichenträger. Aber das hat eigentlich auch gar nichts mit Heimatsinn zu tun.

Ich trage ja auch keine Vereinsabzeichen. Parteiabzeichen sind mir so fern wie die Tiefen des Tartaros. Sehr wohl sympathisiere ich mit vielen Dingen, aber angesteckte Identifikation ist meine Sache nicht.

Sobald aber Geschichte ins Spiel kommt, ist das was anderes. Die uralte Anstecknadel einer Basler Liedertafel kommt etwa hemmungslos an mein Revers. Meine zügellose Liebe zur Geschichte.

Am kommenden 1.August trage ich das Abzeichen zum Nationalfeiertag von 1941. Es zeigt St.Martin, der seinen Mantel mit dem Bettler teilt. Empathie - damit kann ich mich eidgenössisch identifizieren.




28.07.2026 Merian Gärten

aussicht in en merian gaerten

Vor der aufziehenden nächsten Hitzewelle nutzte ich die (noch) milden Temperaturen heute zu einem einstündigen Bummel voller Genuss in die nahen Merian Gärten bei Brüglingen.

Mit Hunger nach der gepflegten Flora und einer gehörigen Packung Weltenschmerz die verdrängt sein wollte, liess ich mich bald schon an einem Aussichtspunkt unter Baumkronen nieder.

Mein Blick ging über die Wiesen, die Villa Merian und die Mühle in Brüglingen bis zu den waldigen Hängen des Gempenplateaus in der Ferne. Die liebliche Landschaft ist trocken aber unversehrt.

Angesichts der gewaltigen Waldbrände in Spanien und Frankreich würdige ich dieses idyllische Panorama um so mehr. Wir sollten das Schöne immer schätzen und nicht erst wenn es bedroht ist.




26.07.2026 Wasserspiele

der zschokke-brunnen in voller aktion

Eigentlich ist es der Brunnen der drei Lebensalter. Viele nennen ihn profan "Brunnen vor dem Kunstmuseum", oder Zschokke-Brunnen, nach Alexander Zschokke der ihn vor über 80 Jahren schuf.

Einige Wasserrohre plätschern vom Rand des grössten Basler Brunntrogs in den selben. So traf ich ihn meist an, das obere Becken leer und die vielen weiteren Wasserdüsen trocken und stumm.

Nun zischt das Wasser überall und das Zweitbecken brodelt wie ein Jacuzzi. Die Figuren auf dem Relief spenden wieder Wasser; etwa der Knabe auf der Velostange (der nun wirkt als sei ihm speiübel).

Die Industriellen Werke Basel haben dem Brunnen von Zschokke kürzlich seinen alten Charakter zurückgegeben. Ich freue mich die ein Kind an den neu belebten Wasserspielen auf allen Beckenebenen.




25.07.2026 Baustellen-Blues

absperrung einer baustelle am luftgaesslein

Ich sah die Absperrung schon von Weitem. Aber bis zuletzt glaubte ich, dass es da einen kleinen Steg als Passage gäbe. Sonst wäre die Gasse ja vorne als unpassierbar markiert.

Doch da war nur die Barrikade, undurchlässig wie 300 Spartaner bei den Thermopylen oder Gandalf vor dem Balrog. Gleich dahinter sollte eigentlich in 7 Minuten meine Fasnachtsführung starten.

Wegen der Baustelle in der Bäumleingasse hatte ich den Start weise ins anschliessende Luftgässlein verlegt. Nun war hier auch zu. Ich zeterte mit der Leidenschaft eines Klaus Kinski.

Laut wollte ich Basel als grässlichsten Ort auf dem Erdenrund verfluchen. Dann dachte ich an die schlimmeren Waldbrandgebiete und Spanien und Frankreich. Leise murrend trolle ich mich.


>> Mein Fasnachtsrundgang



23.07.2026 Krypta

romanische krypta st.leonhard

Dreharbeiten für Telebasel führen mich heute an einen Ort wo ich schon eine Weile nicht mehr war; obwohl ich ihn sehr liebe. Es ging in die hochmittelalterliche Krypta der Leonhardskirche.

Während ich die Treppenstufen hinab ging, bestaunte ich einmal mehr die romanischen Säulen und Bogen des Gewölbes. Der Raum besitzt eine fantastische Ambiance die man sofort aufnimmt.

Während die Kirche über der Krypta im Laufe der Zeit ihr Gesicht änderte, tritt einem die Kypta noch weitgehend so entgegen, wie sie irgendwann zwischen 1060 und 1080 erbaut wurde.

Und einer Zeit grosser Zerwürfnisse und kriegerischer Gefahr am Oberrhein, entstand dieser Ort der stillen Besinnung. Sein Zauber wirkt noch heute wenn man in ihn hinabsteigt.




21.07.2026 Plakatankleber

litfassaeule am aeschenplatz mit plakatankleber

Muss man heute mit den Tram quer durch Grossbasel, lauert mit Baustellen und Umleitungen eine Reise auf einem, welche der Heimfahrt des Odysseus nach dem Sieg von Troja wahrhaft gleichkommt.

Ich verbringe dieser Tage wartend viel Zeit am Aeschenplatz zum Umsteigen. Da bleibt auch Musse, Dinge zu betrachten die man sonst kaum bemerkt. Etwa den Plakatankleber auf der Litfassäule.

Der Basler Künstler Paul Wilde (1893-1936) schuf ihn 1924 für die Allgemeine Plakatgesellschaft. Im selben Jahr trug man an der Fasnacht die Plakette mit dem von ihm entworfenen Motiv "D Larve iber Basel".

Wildes Plakatankleber schreitet nun seit 102 Jahren mit gefaltetem Plakat unter einem Arm und dem Kleisterpinsel in der Hand einher; seinem Schöpfer etwas Unsterblichkeit im Stadtbild verleihend.




18.07.2026 Dorfkirche

die dorfkirche von kleinhueningen

Nach einem Rundgang in Kleinhüningen nehme ich mir immer wieder die Zeit, die reizvolle Dorfkirche in ihrer Nische im alten Ortskern zu besuchen; ein hell verputztes Gotteshaus mit grünem Zwiebelturm.

Pierre Racine (1665-1728) baute die Kirche mit ihrem eigentümlichen Achteckturm in nur wenigen Monaten. Er errichtete meist für den Bischof von Basel prächtige Bauwerke. Hier war aber Schlichtheit gefragt.

Die Dorfkirche wurde schnell gebaut, bar jeder barocken Pracht. Die evangelische Schlichteit kam gewiss auch günstiger. Doch Racine machte das beste daraus und schuf für das Fischerdorf 1710 eine Perle.

Der Turm war damals niedriger. Kanonen der französischen Festung Hüningen hätten ihm sonst gefährlich werden können. 1910 wurde er für ein neues Geläut erhöht, denn die Kanonen waren längst weg.


>> Mein Rundgang in Kleinhüningen



16.07.2026 Teich

der st.alban-teich in der lehenmatt

Der St.Alban-Teich wurde Hochmittelalter vom Kloster St.Alban angelegt. Der Kanal fliesst durch die Lehenmatt wo ich wohne. Ich genoss es oft, an seinem Ufer am Rande des Schwarzparks entlang zu spazieren.

Für eine Weile ging das nicht, weil Teich und Promenade saniert wurden. Mittlerweile sind die Arbeiten aber abgeschlossen und heute flanierte ich endlich wieder auf dem alten Uferweg. Es war das Warten wert.

Ufer und Bett naturnah umgestaltet. Selbst in einer Trockenzeit wie jetzt, fliesst das Wasser plätschernd und gurgelnd um Windungen und Inselchen, dass es eine Freude ist am Ufer lächelnd zuzusehen.

Die Neuerungen machen den Teich zum lebhaftes Bächlein. In Tagen wo im Baselbiet Bäche austrocknen und eine Birs seicht dahinfliesst, ist dies ein Bild der Zuversicht. Man lernt, Wasser wieder zu würdigen.




14.07.2026 Kirchhof

vergessenes grab auf dem kirchhof st.alban

Das vergessene Grab oben gehört Rosalie Hofer-Vortisch (1816-1886). Bei ihr ruht auch die Enkelin Rosalie Déjosez. Sie starb mit kaum vier Wochen am 14. November 1886. Zwei Generationen, vereint für die Ewigkeit.

Schon lange arbeite ich an einem Rundgang zum Friedhof zu St.Alban. Morgen ist quasi Vorpremiere mit einer Kleingruppe auf dem ältesten überlebenden Basler Kirchhof (2013 vor dem völligen Zerfall bewahrt).

Seit 1872 wird hier nicht mehr bestattet. Die Stadtentwicklung hat diese Nische aber verschont; während andere Kirchhöfe Baustellen weichen mussten. Es ist ein letzter Zeuge der altbasler Kirchhofkultur.

Man stösst auf Grabmäler die längst niemand mehr besucht. Dazwischen bei einzelnen Gräbern Kerzen und Blumen. In Stein gemeisselte Namen; kaum noch lesbar. Ein melancholischer Ort der Vergänglichkeit.




12.07.2026 Pflanzen

pfanzen in einem vorhof am leonhardsgraben

Zu den besonderen Momenten in Basels Gassen zählen immer jene, die mich an Liegenschaften vorbeiführen wo Menschen mit Freude an Pflanzen leben. Es gibt viele solche Nischen im historischen Stadtkern.

In Hinterhöfen, vor Hausfassaden und Türschwellen oder auf dem Fenstersims blüht oft gehegtes Grün. Es gibt altem Gemäuer einen sympathischen Charakter, wenn solches Leben in ihm spriesst und blüht.

Stets gehe langsamer und geniessend an diesen Oasen vorbei. So hier am Leonhardsgraben, der eine wahre Menagerie liebevoller Privatgärtnerei ist. Die Stadt wäre so viel ärmer ohne Pflanzenvielfalt.




11.07.2026 Fensterplatz

blick aus dem cafe zum isaak auf den muensterplatz

Führungen auf dem Münsterplatz sind aktuell eine hitzige Sache, denn im versteinerten Kern der Stadt steigen die Temperaturen hoch. Da braucht man seine Nischen um verdampfte Kräfte zu regenerieren.

Ich sitze einmal mehr im Isaak und geniesse den Blick auf den Platz. Der Pisonibrunnen gegenüber unter den Kastanien ist eine wahre Oase. Je heisser es wird, desto mehr Leute drängen zu seinen Wassern.

Aber im Moment steht mir der Sinn nach Eisetee und Sitzplatz mit Aussicht im Schatten. Ich glaub' langsam, die Hitzewellen verwanden mit in einen dieser Rentner, die lustvoll vom Fenster aus die Welt beobachten.




09.07.2026 Hochwasser

erinnerungstafel an das rheinhochwasser 1876

Am Kleinbasler Uferweglein trifft man bei der Mittleren Rheinbrücke auf eine Gedenktafel zum Hochwasser im Juni 1876. Nach langem Regen führte der Rhein damals viermal so viel Wasser wie üblich.

Das Hochwasser verlangte verzweifelten Massnahmen. Damit die alte Holzbrücke nicht weggeschwemmt wurde wie die beiden Rheinbadhäuser an der Pfalz, beschwerte man sie mit Steinquadern und hoffte das Beste.

Ufernahe Teile Kleinbasels wurden überschwemmt. In Grossbasel drangen die Fluten bis zum Fischmarkt. Die Gedenktafel mahnt zur Demut vor den Kräften der Natur. Wir täten gut daran, dies zu beherzigen.




08.07.2026 Wegweiser

wegweiser am birsufer

An der Birs zu spazieren ist in diesem Dürresommer kein Vergnügen. Die Uferwiesen sind gelb und vertrocknet. Der Fluss wurde seicht und um der armen Fische Willen ist er Sperrzone für Mensch und Hund.

Die Badesaison war schon beendet bevor die Sommerferien begannen. Einsame Hundebesitzer drehen ihre Runden damit Fido & Fifi Auslauf kriegen. Sommerliche Ufer-Tristesse. Doch es gibt eine kleine Auflockerung.

Am Birsfelder Ufer steht vor dem gewässerten Grün eines Privatgartens ein heiterer Wegweiser. Die Destinationen sind abenteuerlich weit weg aber kilometergenau angegeben. Lächelnd stehe ich davor.




07.07.2026 Homburg

kupferstich von der homburg

Besonders freut mich, dass die Vorlage zum Stich den ich heute erwerben konnte von Emanuel Büchel (1705-1775) stammt, der so viele herrliche Rokoko-Derstellungen von Basel und Umgebung hinterliess.

Eine Ansicht dieser Burg fehlte mir bisher. Büchels Stich zeigt die Homburg in den 1750er Jahren. Sie wurde um 1240 errichtet und als Sitz des Vogts von Basel 1798 von Revolutionären niedergebrannt.

Die Ruine ob Läufelfingen wurde 2008/10 saniert. Die Zerstörung des stolzen Schlosses ist bedauerlich; aber nun einmal der Lauf der Geschichte. Ich habe ja jetzt eine schöne Ansicht aus der Zeit zuvor.




06.07.2026 Sticker

sticker show love

Der Sticker auf einem städtischen Mülleimer liess mich lächeln. Eine unbekannte Hand hat ihn mit seiner tiefsinnigen Botschaft dort hinterlassen. Liebe solle man zeigen. Und zwar bedingungslos.

Auch wenn dies nicht erwidert werde, solle man es tun. Sonst würde man einer der Lieblosen. Stimmt. Man sollte etwas tun weil es gut und richtig ist. Nicht weil man eine Belohnung zum Dank erhofft.

Die Welt kann griesgrämig sein und oft im Mürrischen verharren. Aber wir können bei uns selbst beginnen, um zu inspirieren. Wie der King of Pop einmal sagte; Wandel startet mit den Mann im Spiegel.




05.07.2026 Männerchor

abzeichen maennerchor breites

Ich habe eine kleine Kollektion von historischen Basler Vereins- und Festabzeichen. Zuweilen hefte ich mir eines davon an mein Revers, um einer Führung zusätzliches Kolorit zu verleihen.

Zum Eidgenössischen Jodlerfest im Juni in Basel fand ich das Abzeichen des Männerchors Breite angemessen. Reizvoll emailliert, mit Laute, Schweizerkreuz, Baselstab und Schleife steckte ich es mir an.

Der erloschene Chor wurde 1878 im jungen Breitquartier gegründet. Für ein Weilchen lebte so der alte Chornname an meiner Weste wieder auf. Heute nehme ich ihn ab, bis zur nächsten Gelegenheit.




04.07.2026 Schlagwort

das basler rathaus

Die Ausschreitungen um die Zack-Besetzung haben Spuren in Basel hinterlassen. Etwa mit zornigen Protest-Parolen, gesprayt an den Kanzleibau des Rathauses. Die Reinigungsarbieten sind im Gange.

Die Parole mag verschwinden doch die Verstörung hat sich mir eingebrannt beim Schlagwort "Hurensohn-Politiker*innen". Prostituierte und illegitime Abstammung als Beleidigung? Werte aus finsteren Zeiten.

Wer das als Schmähung nutzt, verachtet Menschen aus der Sexarbeit. In einem solchen Denkmuster wird der eingefügte Genderstern zu hohlen Geste. Sprache ist politisch und Worte verletzen.

Der Genderstern sollte Zeichen einer achtsamen Sprache sein. Eingebunden in ein Schlagwort das Randgruppen entwürdigt, wird alles entwertet. Die Worte, die Werte, die Menschen. O tempora, o mores!




03.07.2026 Jazz

grabstein von chester gill

Eine Besonderheit auf dem Friedhof am Hörnli ist das Prominenten-Grabfeld. Werden Gräber von Basler Prominenten aufgehoben, erhalten ihre Grabmäler Asyl an einem eigenen Plätzchen nahe des Hauptportals.

Chester Gill wurde 1928 in Bridgetown auf Barbados geboren und gelangte nach einem Zwischenhalt in London 1960 nach Basel. Er wurde Basler (zünftig zu Hausgenossen) und begann musikalisch zu wirken.

Gill leitete Chöre und entfaltete sich als Lehrer und Musiker (namentlich im Jazz). Sein Hauptinstrument war das Saxophon. Es ziert seinen Grabstein auf dem Hörnli, wo er nach seinem Tod 2003 bestattet wurde.




02.07.2026 Denkpause

Heute will mir so gar nichts einfallen. Morgen muss ich auf den Friedhof am Hörnli um die Beisetzung meiner zu Mutter regeln. Aber auf dem Heimweg finde ich sicher eine Impression für den nächsten Beitrag hier. Versprochen.



01.07.2026 Wolfgottesacker

grabreihe auf dem wolfgottesacker

Der Wolfgottesacker am Rande des Gundeldingerquartiers gehört zu meinen liebsten Grünflächen. Ein Friedhof des 19. Jahrhunderts, zwischen dessen Grabmälern das Fin de Siècle lebendig blieb.

Ich hatte letzten August das Privileg, eine Führung für Freunde des Gottesackers machen zu dürfen. Am 19. September 2026, zum Tag des Friedhofs, werde ich sie im Auftrag der Verwaltung wiederholen.

Heute erreichte mich die Anfrage, ob ich bereit wäre, den Rundgang in Zukunft öfter durchzuführen. Mit Freuden sagte ich zu und werde dann bald regelmässig auf dem poetischen Wolfgottesacker wirken.




30.06.2026 Mutter

foto mit drei kindern aus den 1940er jahren

Ich betrachte heute keinen historischen Stadtplan, keinen alten Kupferstich von Basel. Mein Blick ruht auf einem Foto aus den 1940ern mit meiner Mutter als Kind. Sie starb gestern Abend mit 83 Jahren.

Den Tod meines Vaters im vergangenen Herbst hatte sie nie verwunden. Zum gebrochenen Herzen kam nun eine extreme Hitzewelle. Man hört immer wieder von alten Leuten, die in der Sommerhitze sterben.

Dann passiert es in der eigenen Familie und man ist überrascht. Plötzlich fehlt ein Mosaikstein der Kindheit und des Lebens. Stumm betrachtet man dieses Lebensbild mit der vom Tod gerissenen Lücke.




29.06.2026 Baum

abgesaegter baum mit gedenkstaette

Im Sommer hat die kleine Allee am St.Alban-Rheinweg bei der alten Telefonkabine einen besonderen Charme: Den Rhein vor Augen ruht es sich herrlich im Schatten mächtiger Kastanien. Nun fehlt plötzlich eine davon.

Der Baumstumpf zeugt von Siechtum, einem hohlen und brüchigen Stamm und der Säge die das Leid beendete bevor Schlimmeres kam. Und man trifft auf berührende Trauer um einen alten Freund - den schönen Baum.

Nachbarn hinterliessen Zeichen ihres Schmerzes und Blumen im hohlen Stumpf. Dem verschwundenen Baum wird mit Worten gedankt für Schutz, Geborgenheit, Schatten und Güte, die er jahrzehntelang spendete...




28.06.2026 Hitze

thermometer am rheinufer

Gestern führte ich Rundgänge durch das St.Alban-Tal. Bei Hitze die beste Wahl, denn es hat viel Schatten, einen kalten Brunnen und das Rheinufer. Dort war ab Nachmittag auch prächtigste Strandstimmung.

Um die Jugendherberge sah ich Zuzüger zum Jodlerfest in ihren Trachten. Sie ertrugen in tannigen Hosen, geschnürten Miedern, unter traditionellen Hauben & Hüten die extreme Hitze heiter und tapfer.

Fünfmal hörte ich Martinshörner; meist Ambulanzen und ein Notarzt. Unermüdlich kämpfen Sanitäter/innen dieser Tage überall gegen die Folgen der Hitzewelle. Respekt den unbesungenen Helden des Blaulichts.

Mein Arbeitstag endete beim Heimflanieren am St.Alban-Rheinweg, mit einer Limonadepause im Rheinbad "Le Rhin Bleu". Am dortigen Therometer las ich 41 Grad Celsius. Ein wahrlich heisser Superlativ.


>> Meine Führung zu St.Alban



26.06.2026 Polizei

polizeiauto in der nacht

Die Hitzewelle mit ihren Tropennächten setzt immer mehr Leuten zu. Zum Beispiel einem jungen Mann, der letzte Nacht um halb zwei am Birsufer vor meinem Fenster sass, in laute, lebhafte Monologe vertieft.

Aus der dünnen Nachtruhe gerissen, hörte ich heraus dass es um jemanden ging, den er nicht mochte, der seinerseits seine Anrufe und Voicemessages ignorierte (da er womöglich selbst am Schlafen war)

Sein Toben traf ersatzweise nächtliche Passanten, bis die Polizei vorfuhr. Schlaflos und schwitzend hatte ich nichts anderes zu tun und verfolgte träge die Abläufe da unten vor meinem Fenster.

Die Polizisten führten ein veritabel seelsorgerisches Gespräch, das den Mann ruhig und entspannt zurückliess. Beeindruckt von der Polizeiarbeit ging ich wieder zu Bett und genoss einschlummernd die Ruhe.




25.06.2026 Grafik

grafik zum jodlerfest beim barfuesserplatz

Das Eidgenössische Jodlerfest steht bevor und die Stadt schmückt sich für den Grossanlass. Heute am Barfüsserplatz traf ich auf Blumenkästen, gekrönt mit Folkloregrafiken.

Ich erkannte sofort den prägnanten Stil von Domo Löw. In Basel verbindet man ihn mit seinen Werken rund um die Fasnacht. Ich verehre seinen dynamischen Strich, der alles leicht und luftig wirken lässt.

So eine schmissige Linienführung, voller menschlicher Wärme, ist das Resultat von viel Übung und Praxis. Jedes Bild eine Wanderung des Herantastens, bis sich das Motiv herausschält.

Sachen von Löw sind für mich in einer Zeit von seelenlosem KI-Slop ein kraftvolles Echo jener goldenen, Tage als Basel eine Grafik-Metropole war, mit legendären Zeichnern und Malern.




24.06.2026 Baselstab

baselstab im mitallgelaender

Die Tramhaltestelle der Linie 3 am Kohlenberg habe ich lange nicht mehr genutzt. Aber seit des Baustellenunterbruchs ist dort der Ort, wo ich den Busersatz nehmen muss um zum Spalentor weiterzufahren.

So kam es, dass ich beim Warten auf den 3er Bus dort etwas entdeckte, das ich zuletzt sah als es noch Telefonzellen mit Münzbetrieb gab. Das Geländer war damals schon alt; sein Metall abgenutzt und narbig.

Eingeschlagen auf einer glatten Fläche ist da ein Baselstab zu entdecken. Der alte Stab von Basel, den ich hier vor langer Zeit zuletzt sah, damals mit einem Burger in Händen, auf das 3er Tram wartend.




23.06.2026 Schattenspiele

silhouetten am rathausportal

Von der Betriebsamkeit des Marktplatz ist es nur ein Schritt zur ruhigeren Stimmung des Rathaushofes (wenn nicht Strassenmusikanten dort für Beschallung sorgen). Ich mag die Renaissance-Vorhalle sehr.

Die Halle gehört zum ursprünglichen Rathausbau, der 1504-1513 entstand. Drei Spitzbogenportale verbinden sie mit dem Marktplatz. Die Gittertore aus Schmiedeeisen krönen kunstvolle Oberlichter von 1611.

Am besten sieht man die in den Rundeisenstäbe eingelassenen Silhouetten aus Eisenblech von innen mit Blick zum Himmel. Ein kleines Unversum tut sich da auf. Köpfe, Greife und Delphine tummeln sich verspielt.

Diese Blechwesen sind ein köstliches Detail in den Gittern. Sie stammen aus der Werkstatt von Meister Hans Diebolder dem Schlosser. Seit über 400 Jahren wachen sie über die Portale unseres Rathauses.




22.06.2026 Schnecke

schneckenbrunnen in der breite

Heute Morgen kam ich an der Breitematte vorbei und freute mich während eines kurzen Verweilens im Schatten der Alleebäume am drolligen Schneckenbrunnen mit seinen wasserspeienden Fühlern.

Gestaltet wurde die Skulptur 1952 von der Riehener Bildhauerin Hedwig Frei (1905-1958). Sie hatte ihr Handwerk in Paris und Wien verfeinert und sich auch zur Schlosserin ausbilden lassen. Ihr Werk war vielseitig.

Als Freigeist setzte sie sich für Künstlerinnen und Naziopfer ein und ihr Engagement für die Europa-Union zeugte von einem Herz das für Europa schlug. Im Aktivedienst 1939-45 war sie Rotkreuzfahrerin.

Sie hatte mit Hermann Aeppli (1906–1973) einen Lebenspartner, ging aber nie eine Ehe ein. Nach kurzer schwerer Krankheit starb im Mai 1958 mit Hedwig Rosalie Frei eine ungebundene, kreative und starke Frau.




21.06.2026 Einhorn

das gruene einhorn am leonhardsgraben

Der Leohardsgraben ist eine meiner liebsten Flanierpartien. Die Häuser am alten Stadtgraben bieten herrliche Details und oft auch eine wunderbare Bepflanzung, inklusive Schatten (grade sehr willkommen)

Hat man von der Lyss her den Teufelhof grad hinter sich, dann steht man bald beim Gärtchen der Hausummer 59. Nummern bekamen die Basler Häuser 1798 beim Einmarsch der französischen Revolutionsarmee.

Zuvor hatten die Häuser der Stadt seit dem Mittelalter nur Namen. Namen die man heute noch sehen kann. Hier steht nun ein besonders charmanter, samt poetischem Hauszeichen: "Zum grünen Einhorn"




20.06.2026 ÖV-Sommertücken

mein strohhut im tram

Heute war es herausfordernd mit zwei Stadtrundgängen bei 36 Grad Hitze. Das zu überstehen verlangt Überlebensinstinkt. Ich weiss etwa als täglicher ÖV-Nutzer gut um die Gefahren im Öffentlichen Verkehr.

Wurde es früher zu hiess im Tram, öffnete man ein Fenster und genoss den Fahrwind. Der Fortschritt hat diesen Notnagel eliminiert. Heute steht und fällt alles mit der Klimaanlage, die verschlossene Fenster braucht.

Sie verliert auf Linien mit vielen Haltestellen und Passagieren zuweilen den Lebenswillen. Dann wird der Fahrgastraum zur Mischung aus Mikrowelle und subtropischen Vivarium. Bis jetzt ging dieser Kelch 2026 an mir vorbei.




19.06.2026 Gewittrig

dunkle wolken ueber dem muensterhuegel

Nach einem ersten tüchtig heissen Tag mit um die 36 Grad sind für heute Abend Gewitter angesagt, als kleines Intermezzo vor weiteren heissen Tagen. Ich seh' die Wolken wohl, doch alleine mir fehlt der Glaube.

Als Basler lebe ich in einer Stadt der Superlative wenn es um Hitze geht. Und oft schon waren in solchen Tagen Gewitter angekündigt und fast so oft zogen sie grummelnd vorbei um sich woanders regnend auszutoben.

Da stehe ich abwartend; wie Remarques Kat aus "im Westen nichts Neues", mit seiner Nase für Bedrohung vom oben. Wolken heissen noch gar nix. Wenn der Instinkt für "Kattun" juckt, bin ich immer noch fix in Deckung.




18.06.2026 Recyling

bucheinband aus altem pergament

Heute Abend hatte ich das Vergnügen, zusammen mit einem Grüppchen befreundeter Basler Stadtführer, eine interessante Tour durch das Frey-Grynaeische Institut am Heuberg erleben zu dürfen.

In historischen Mauern und im Schosse einer uralten privaten Basler Stiftung, ruht ein bibliophiler Schatz mit Büchern bis zurück in die Zeit der Wiegendrucke. Für mich als einstigem Buchdrucker eine Gralsburg.

Wir sahen reformiertes Recycling. Drucke aus goldenen Tagen der Humanistenstadt; gebunden in Pergamentseiten liturgischer Singbbücher. Ausgedient nach der Reformation, wurden sie skrupellos neu genutzt.




17.06.2026 Annes Vater

grab von otto frank

Der heutige Fotomoment entstand vor den Toren von Basel. Der Weg führte nach Birsfelden ins Sternenfeld. Da ergab sich in kurzer Besuch auf dem nahen Friedhof. Hier ruht mit Otto Frank ein Stück Geschichte.

Er hatte als Jude Auschwitz überlebt und war der Vater der Tagebuchschreiberin Anne Frank. Sie kam dort mit der restlichen Familie im Holocaust um. Die Raserei des Faschismus tötete was Otto liebte.

Otto war auch Veteran des Ersten Weltkriegs. Er kämpfte als deutscher Artillerist in die furchbaren Schlacht an der Somme in Frankreich, die am 1. Juli 1916 begann. In 14 Tagen ist ihr 110jähriges Gedenken.

Mein Sohn neben mir sah Ottos Grabmal mit Steinchen bedeckt. Kurz sah er sich um und fand einen kleinen Stein den der behutsam dazulegte. Ich tat es ihm gleich, für Otto, für Anne, für alle Nazi-Opfer...




16.06.2026 Grünwuchs

pflanzen am oberen rheinweg

Ich schlenderte in der Abendsonne den Oberen Rheinweg in Kleinbasel hinab, unterwegs zur Mittleren Brücke. Die Ambiance war mediterran und die Leute genossen ausgelassen am Rheinufer das Leben.

Unvermittelt blieb vor mir ein Tourist stehen und fotographierte die Hausfassade. Ich drehte den Kopf und verstand: Es war eine sehr schön begrünte Partie, die ich gut kenne, aber selten ansehe.

Einmal mehr wurde mir bewusst, wie oft ich schöne Dinge in Basel übersehe, weil ich viel an ihnen vorbeilaufe. Ich sollte öfter einmal mehr stehenbleiben und hinsehen, wo unsere Stadt schön ist.




15.06.2026 Panorama

panoramablick von der wettsteinbruecke

Die Führung endete beim Pisonibrunnen und der nächste Rundgang startete am Wettsteinbrunnen. 30 Minuten und der Rhein lagen dazwischen. Vor dem Kunstmuseum verpasste ich aber das Tram.

Ich beschloss, den Weg zu Fuss zu machen. Es geht sowieso bergab über die Wettsteinbrücke und in ein Paar Minuten bin ich drüben am Brunnen. Es dauerte dann doch etwas länger.

Bei Sonnenschein bietet die Brücke einen prächtigen Panoramablick. Vor lauter Sehfreude kam ich am Ende grad noch pünktlich. Lockeres Pausieren am Brunnen war allerdings nicht mehr drin.




14.06.2026 Sevogelbrunnen

skulptur auf dem brunnen am martinskirchplatz

Heute hatte ich die Ehre, zum Tag des Frauenstreiks eine Gruppe von Damen bei schönstem Juniwetter auf meiner Frauenführung vom Münsterplatz zum Martinskirchplatz zu geleiten.

Nach der Tour machte ich einige Aufnahmen für ein kurzes Filmchen für Social-Media. Dabei kam der Foku auf den Sevogelbunnen; auch wenn auf dem Brunnstock nie wirklich Henman Sevogel stand.

Der Krieger mit Hellebarde und Baslerwappen ist ein Mann der prahlerischen Renaissance mit stolz präsentiertem Po. Die heutigen Hellebardenschwenker können mit diesem Gesäss nie mithalten.




13.06.2026 Chor-Ornament

bildhauereien am chor des muensters

Gerade jetzt, wo die Kastanien volle Laubkronen tragen und Schatten spenden, ist die Basler Pfalz ein herrlicher Ort zum verweilen. Mich zog es heute zu den Finessen des Hochmittelalters am Münster.

Unter den Chorfenstern verläuft ein Band das sich zum Betrachter neigt. Es zeigt einen Reigen verspielter Gestalten, wie hier Vögel die Trauben naschen, eine Geiss die Blätter frisst und ein Esel.

Die Chorwand entstand um 1180, als Basel Teil des Reiches war, das von Kaiser Friedrich I. Barbarossa beherrscht wurde. Durch diese Steintiere blicken mich Jahrhunderte der Geschichte heiter an.




12.06.2026 Tramgedanken

mein strohhut auf einem sitz im tram

Im Tram, mit meinem Strohhut, habe ich täglich Zeit zu sinnieren. In diesen Tagen tut da Unbehagen an mir nagen, wenn diese Phase des rollenden Grübelns eintritt. Dies weil eben bald nichts mehr rollt.

Dass 90% meiner Kunden einheimisch sind war gut in der Pandemie, als die Touristen weg blieben. Nun könnte es mein Verhängnis werden, denn die 90% wissen alle vom 10wöchigen Tramunterbruch in Grossbasel.

Dieser Tage vernehme oft das Kundecho, welches vom Warten auf den Herbst erzählt. Dies wird der Sommer meines Missvergnügens (um Shakespeare zu bemühen) der in meinen Auftragsbüchern nicht stattfindet.




11.06.2026 Martinsgasse

in der martinsgasse richtung st.martin

Die Martinsgasse ist eine Besonderheit. Man ist nur ein Paar Dachfirste vom Rheinsprung mit seinem Blick nach Kleinbasel weg. Und auf der anderen Seite liegen in der Tiefe die Freie Strasse und der Markplatz.

Lange vor den Kelten und den Römern lag hier das Herz eines Basel, das noch lange nicht existieren sollte. Hier, etwa 40 Meter hoch über dem Rheinufer, gab es schon um 900 vor Christus eine befestigte Siedlung.

Im Pflaster auf dem Weg zur Martinskirche zeigen Metallmarkierungen diskret, wo der Wall dieser Siedlung verlief. Man könnte von den ersten Baslern reden, in deren altem Territorium man hier flaniert.




10.06.2026 St.Alban-Teich

der kanal im st.alban-tal

Im Sommer entfaltet meine Tour im St.Alban-Tal den vollen Charme. Wie heiss das Wetter auch werden mag; auf dieser Route abseits der Stahl-und Glastürme am jenseitigen Rheinufer herrschen Schatten und Ruhe.

Bei der Brücke neben dem Schindelhof öffnet sich am St.Alban-Teich eine Achse zur sinkenden Sonne, untermalt vom Gemurmel des fliessenden Wassers. Man ist hier herrlich fern der Rastlosigkeit unserer Tage.

Vielleicht kommt ein Fahrlehrer mit Schüler die berüchtigte Talstrasse im Schrittempo heruntergeschlichen. Aber das ist oft alles, was den gelassenen Herzschlag des Ortes (nur leicht) schmälert. Ich bin hier gerne.




08.06.2026 Trottoir

teerbelag eines neu gemachten trottoirs

Dieses seltsame Gefühl, als mir plötzlich aufging, dass die Baustelle weg und das Trottoir wieder da war. Ich hatte das einige Zeit gar nicht registriert, sondern wie gewohnt die Strassenseite gewechselt.

Basel hat so viele Baustellen, dass man sich schon daran gewöhnt hat, dass einst verlässliche Wege zu temporären Angeboten wurden, die stets zum Preis mühsamer Umwege aus dem Sortiment kippen können.

Viele ärgern sich leidenschaftlich darüber, bis der Reizdarm tanzt und das Magengeschwür blüht. Und ist eine Baustelle wieder weg, suchen sie nach einer neuen, um sich wie gewohnt weiterzuärgern.

Meinem sensiblen Verdauungstrakt mute ich gar nicht erst einen endlosen Marathon des Grollens zu. Lieber freue ich mich stattdessen, wenn ich endlich das gewohnte Trottoir wieder unter den Sohlen habe.




07.06.2026 Flamingo

flamingo im strassenschild

Stadtseitig vor dem St.Alban-Tor, gleich bei der Treppe ins Tal hinab, gibt es eine Sitzbank im Schatten der Baumkronen auf der ich oft ein wenig ruhe bevor ich meinen Rundgang vom Tor hinunter zum Rheinufer beginne.

Und jedes Mal schaue ich mir schmunzelnd das alte Strassenschild an. Es ist eines von den wenigen alten, grünen Modelle, die kunstvoll gegossen wurden, mit einem krönenden Basilisken der das Basler Wappen hält.

Mein Fokus gilt aber nicht dem Wappenhalter sondern einem irregulären Detail: Eine unbekannte Hand hat dort schalkhaft auf dem Bindestrich von "St.Alban-Vorstadt" einen allerliebsten Flamingo angebracht.




06.06.2026 Abstimmen

steinfigur des basler standesboten im rathaus

Nach der Führung ging ich ins Rathaus um mein Couvert mit dem Stimmzettel in die Urne im Hof einzuwerfen. Stimmbeteiligung ist ein Lebenselixier unserer Demokratie und der Urnengang Ehrensache.

Heute, da Depoten und ihre Einflüsterer Demokratien immer mehr beschneiden, nehme ich mein Stimmrecht sehr ernst. Die Unglücklichen unter der Tyrannen Stiefeln, wären dankbar für solche Teilhabe.

Nach getaner Bürgerpflicht an der grauen Urne war noch Zeit für einen Freundschaftsbesuch. Vorbei an der Skulptur von Munatius Plancus ging es die Hoftreppe empor. Hinauf zum kleinen Standesläufer.

In Standesfarben gekleidet steht der steinerne Bote aus der Renaissance mit Couvert und höflich entblösstem Haupt im Rathaus. Ich lächle ihn an und tippe grüssend an meinen Hut; wie bei jedem Urnengang.




05.06.2026 Lesen

buch uber die geschichte der hugenotten und hut auf einer sitzbank

Ich bin ein Leser mit Leidenschaft, weshalb ich immer handliche Literatur dabei habe. Ob unterwegs im Öffentlichen Verkehr oder zwischen zwei Stadtführungen; Zeit für ein wenig Lesefreude findet sich immer.

Heute wartete ich am Birsufer auf den 36er Bus zum Badischen Bahnhof. Die gesellschaftliche Debatte um die Zuwanderung führte mich zu den Hugenotten, die in der frühen Neuzeit auch nach Basel flohen.

Im Frühjahr fragte mich jemand, ob es nicht angenehmer wäre, mit einen Reader oder dem Smartphone zu lesen? Dies wäre doch einfacher in der Handhabung. "Ich blättere gerne Seiten um" sage ich lächelnd.

Ein Buch kann ich in Händen halten damit seine Worte greifbar in mein Leben treten. Es funktioniert autark; sogar nur mit Kerze & Lesebrille. Und kein Techmagnat kann mir dieses Erlebnis abdrehen ;-)




04.06.2026 Dreifaltigkeit

entsorgungsstation mit drei eimern am muensterplatz

Vor der Führung am Münsterplatz ging ich zur Entsorgung meiner leeren Flasche Eistee zum Pisonibrunnen. Überrascht fand ich dort statt des gewohnten Abfalleimers gleich eine wahrhaftige Dreifaltigkeit.

Erfreut stellte ich fest, dass ich bei dieser neuen Mistkübel-Batterie verfeinert entsorgen konnte. Es bietet sich nun die Wahl zwischen PET, Alu und sonstigen Abfall. Nur der Zugriff war grad etwas kompliziert.

Vor den Eimern stand ein Senior, der mich im Monolog versunken fixierte. Er schimpfte über die Gegenwart, über Rot & Grün, über Woke & Gaga. Und dass ihn der "Wahnsinn" von drei Kübeln überfordere.

"Sehen sie, Monsier; so schwer ist es nicht. Voilà, meine PET-Flasche". sagte ich, und warf sie mit schulmeisterlicher Geste in den PET-Eimer. Dann zog ich von dannen; das weitere Gezeter milde lächelnd ignorierend.


>> Meine Führung am Münsterplatz



03.06.2026 Kindergrab

skulptur auf kindergrab

Es blüht die Pflanzenwelt und gibt selbst dem Friedhof das grüne Kleid triumphierenden Lebens. Ich flanierte heute über den Wolfgottesacker zur Vorbereitung meiner Tour am Tag des Friedhofs (19. September 2026)

Hier begegnet man noch der Bestattungskultur vikorianischer Tage. Plötzlich entdecke ich eine kleine lebhafte Gestalt, die aus wucherndem Blattwerk hervorragt. Ich trete näher; schlucke betroffen.

Eine Kinderskulptur die sich himmelwärts von einem Fels abstösst. Der Stein ist alt; die Fingerchen beschädigt. Längst pflegt keine trauernde Elternhand mehr dieses Grab. Ich beuge mich vor um zu lesen.

"Herbert David, 1889-1890" darunter "Helene David, 1891-1900". Zwei Träume ruhen hier. Viele Grenzen hatte die Medizin und viele Krankheiten zerrten Kinder ins Grab. Ein tristes Zeugnis der "guten alten Zeit".




02.06.2026 Schmiede

roman der schmied am muensterberg

Gewitter und Sturm machten den heutigen Rundgang zu einer nassen Sache. Regenfeucht war ich auf dem Heimweg, als mir am Münsterberg 16 aus seiner Schmiede heraus Roman durchs Fenster gutgelaunt zuwinkte.

Da traf ich ihn, einen massgemachten Briefkastenschlitz prüfend in Händen. Die Schmiede der Kunstschlosserei Weiland ist seit 1913 an dieser Adresse zu finden. Ich staune immer wieder über diesen Ort alten Handwerks.

Hier atmet ein Stück echtes Basel, wo schon am Wirthausschild des braunen Mutz, am Hauszeichen der Schlüsselzunft oder an St.Georgs Lanze am Münster geschmiedet wurde. Die Liste liesse sich endlos weiterführen.

Es ist für mich berührend, dass es in Zeiten kalter KI noch immer traditionelle Gewerbe gibt, für die so viel Nachfrage besteht. Gewerbe wo Menschen mit Liebe zu ihrem Handwerk arbeiten; mit Hand und Herz.




01.06.2026 Galgen

der galgenhuegel auf dem gellert

Verrottete Sitzbänke, Getränkedosen, Zigarettenstummel. Das Schöneste an diesem tristen Ort sind die drei blühenden Baumkronen. Hier stand 500 Jahre lang der Galgen auf dem Gellert, bis 1822.

Richtstätte einfacher Sünder, die weder Geld noch Einfluss hatten um sich den Strick vom Hals zu halten. Vor dem gaffenden Pöbel von der Leiter gestossen und vom Strick erdrosselt; röchelnd, zuckend.

Mit dem Tod erschlafften die Schliessmuskeln. Blase und Darm leerten sich; hinab auf Mauerwerk und Boden. Dorthin, wo schliesslich die am Strick verweste Leiche fiel. Ein grausiger Ort, kennt man erst seine Geschichte.

Und auf Sozialen Medien fordern Schreier den Galgen zurück. Als hätte er jemals eine bessere Welt geschaffen...


>> Galgen auf dem Gellert in der Geschichtsgalerie



31.05.2026 Isaak

blick aus dem fenster der isaak

Ich liebe es, an warmen Tagen bei einem Eistee im Isaak am Münsterplatz zu sitzen. Es hat zwar einen lauschigen Garten. Trotzdem sitze ich oft aber vorne an den Fenstern mit Blick auf unser Basler Münster.

Für mich als Geschichtsfreund ist das Restaurant natürlich auch das Haus wo Isaak Iselin (1728-1782) wohnte, Ratsschreiber, Aufklärer, Menschenfreund, Feind der Todesstrafe und Überwinder der Folter.

Vom Fenster aus sieht man hier die Allgemeine Lesegesellschaft, die Iselins Ideal der Bildung für alle pflegt. Er selbst ruht, (in wohlverdientem Frieden) nicht weit weg - hinter dem Münster im Kreuzgang.




30.05.2026 Archiv

schild des staatsarchivs basel-stadt

Bald zieht das Staatsarchiv in ein neues modernes Domizil am Stadtrand. Das Schild an der Martinsgasse wird mir fehlen auf dem Münsterhügel. Das alte Archiv war wie ein magisches Hogwards mit knarrenden Dielen.

Die barocken Schubladen des historischen Grundbuches sind nun digitalisiert. Alles wird leichter und schneller am neuen Ort und online. Aber in diesen letzten Maitagen 2026 ist es noch hier - im Herzen Basels.


>> Meine Führung an der Martinsgasse





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